Worte statt Wunden

„Ich konnte nicht mehr mit den Händen arbeiten – also hab ich mit dem Herz geschrieben.“

Nach dem Bruch, nach dem Absturz, nach der beinahe verlorenen Familie –

da war da plötzlich etwas.

Etwas, das ich so lange ignoriert, weggeschoben, verdrängt hatte:

Das Bedürfnis, endlich zu reden.

Aber ich wusste nicht, wie.

Ich war es gewohnt zu arbeiten.

Mit den Händen.

Etwas zu schaffen.

Etwas zu tragen.

Dinge zu reinigen. Räume. Fassaden. Häuser.

Aber was machst du,

wenn du plötzlich dich selbst reinigen musst?

Wenn du plötzlich dich selbst tragen musst?

Ohne Plan. Ohne Werkzeug. Ohne Kraft.

Die Hände waren kaputt – das Herz noch nicht

Als ich meine Schulter brach, hab ich mehr verloren als nur Beweglichkeit.

Ich hab meine berufliche Identität verloren.

Ich war kein „Macher“ mehr.

Kein starker Arbeiter.

Kein „Ich-schaff-das-schon“-Typ.

Ich war plötzlich still.

Und in dieser Stille kam es hoch.

All der Druck. All die Schuld. All die Emotionen,

die ich vorher einfach weggearbeitet hatte.

Weggeputzt.

Weggelächelt.

Weggetrunken.

Und irgendwann – als meine Gedanken zu viel wurden –

hab ich einfach angefangen zu schreiben.

Ohne Struktur. Ohne Ziel. Ohne Filter.

Nur ich.

Papier.

Und alles, was rausmusste.

Der Moment, in dem ich mir selbst begegnet bin

Ich hab nicht geschrieben, um etwas zu erschaffen.

Ich hab geschrieben, um nicht zu zerbrechen.

Mit jedem Satz kam etwas ans Licht:

ein Gefühl, ein Bild, ein Schmerz, eine Hoffnung.

Und plötzlich hab ich gespürt:

Da ist noch was in mir.

Etwas, das lebt.

Das trotz allem brennt.

Nicht viel – ein Flämmchen.

Aber echt.

Ich nannte es Gé Phönix.

Nicht, weil ich dachte, ich sei ein Held.

Sondern weil ich zum ersten Mal verstanden hab,

was es heißt, aus der eigenen Asche aufzustehen.

Und das Schreiben?

Das war mein Feuer.

Mein Sauerstoff.

Mein neuer Weg, zu wirken –

nicht mehr mit Muskelkraft,

sondern mit Wahrhaftigkeit.

Schreiben wurde mein Tagebuch – und mein Spiegel

Ich begann, regelmäßig zu schreiben.

Nicht öffentlich – nur für mich.

Ein Tagebuch.

Kein rosa Schlossbuch aus der Kindheit.

Ein schwarzes Heft.

Mit Sätzen, die mich manchmal selbst erschreckt haben.

Da stand nicht „Mir geht’s heute nicht gut.“

Da stand:

„Ich hasse mich dafür, dass ich mich selbst so lange belogen hab.“

„Ich habe Angst, wieder abzustürzen.“

„Ich will wieder fühlen – aber ich hab keine Ahnung, wie.“

Und irgendwann –

habe ich gemerkt, dass diese Texte nicht nur mir helfen.

Sondern auch anderen helfen könnten.

Menschen, die genau wie ich glauben, dass es keine Sprache für ihren Schmerz gibt.

Bis sie sie selbst finden.

Aus dem Tagebuch wurde ein Feuer

Heute ist Schreiben nicht nur ein Ventil.

Es ist ein Teil von mir.

Ich schreibe, um zu verarbeiten.

Ich schreibe, um zu erinnern.

Ich schreibe, um andere zu inspirieren – nicht mit perfekten Geschichten.

Sondern mit ehrlichen.

Denn weißt du was?

Wir brauchen nicht mehr Erfolgsstories.

Wir brauchen mehr Echtheit.

Mehr Männer, die sagen:

„Ich war am Boden – und ich bin wieder da.“

Mehr Väter, die sagen:

„Ich war kurz davor, alles zu verlieren – und jetzt kämpfe ich für jeden Tag.“

Mehr Menschen, die bereit sind,

nicht nur zu funktionieren –

sondern wirklich zu leben.

Was du aus dieser Story mitnehmen kannst

Manchmal verlieren wir das, womit wir uns definiert haben.

Den Job. Den Körper. Die Kraft.

Und es fühlt sich an wie das Ende.

Aber vielleicht –

ist es der Anfang.

Du musst kein Schriftsteller sein, um zu schreiben.

Du musst nur bereit sein, ehrlich mit dir zu werden.

Denn Worte sind wie Brücken:

Sie verbinden dich mit dir selbst.

Und mit anderen.

Ich konnte nicht mehr mit den Händen arbeiten.

Aber ich konnte noch fühlen.

Noch denken.

Noch sprechen.

Und plötzlich wurde aus dem „Nichts-mehr-tun-können“

ein „Ich beginne neu.“

Wie’s weitergeht

Im nächsten Kapitel erzähle ich dir,

wie ich begonnen habe, mich als Gé Phönix neu zu erfinden.

Warum ich heute mein eigenes Projekt aufgebaut habe.

Und warum ich glaube, dass du dein Feuer jederzeit wieder entzünden kannst –

egal, wie dunkel es gerade scheint.

Bleib dran.

Bleib wach.

Und schreib, wenn du nicht weiterweißt.

Denn manchmal sind es nicht die Antworten,

sondern die ehrlichen Fragen,

die dich retten.

– Gé Phönix

Der, der gefallen ist.

Und jetzt brennt.

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