Der wahre Bruch kam erst, als ich erkannt hab, wer ich geworden war.

Es gibt Brüche, die hörst du.
Ein Knacksen. Ein Schmerz. Ein Schrei.
So war’s bei meiner Schulter.
Aber der wahre Bruch – der, der mich fast zerstört hätte – war still.
Langsam.
Schleichend.
Und er hatte ein Gesicht: meine Familie.
Ich war da – aber nicht mehr ich
Ich war körperlich anwesend.
Ich hab gefrühstückt mit ihnen. Ich war im selben Raum. Ich hab sogar versucht zu lächeln.
Aber innerlich war ich weg.
Abgetaucht in einem dunklen See aus Selbstmitleid, Wut, Scham und Schuld.
Ich hab nicht gespürt, wie sich das Band zu meiner Familie langsam auflöste.
Es war nicht plötzlich.
Es war wie Nebel, der sich über alles legte.
Und ich hab ihn einfach hingenommen.
Der Mann, der ich geworden war
Ich war immer ein Anpacker. Ein Arbeiter.
Meine Hände waren mein Werkzeug.
Ich hab mit ihnen gebaut, gereinigt, getragen –
aber vor allem:
Ich hab damit gewirkt.
Als die Schulter gebrochen war, war nicht nur mein Arm außer Gefecht.
Es war mein ganzer Selbstwert.
Ich hatte das Gefühl, nutzlos zu sein.
Und weil ich mir das nicht eingestehen wollte, hab ich das getan, was viele tun, wenn sie langsam innerlich untergehen:
Ich hab mich betäubt.
Mit Alkohol.
Mit Ausreden.
Mit Ignoranz.
Ich dachte, ich verstecke mein inneres Chaos gut.
Aber meine Frau hat es längst gespürt.
Meine Kinder haben es gespürt.
Der stille Absturz
Mein großer Sohn, 12 Jahre alt, war in einer Phase, wo er mich gebraucht hätte.
Ein Vorbild. Jemand, der ihn stärkt, auffängt, ihm Halt gibt.
Und was hab ich ihm gezeigt?
Dass man schweigt, wenn’s weh tut.
Dass man sich abschottet.
Dass man sich betäubt.
Mein kleiner Sohn – noch ein Baby in meinen Augen – verstand natürlich nicht, was mit Papa los war.
Aber auch er spürte, dass etwas fehlte.
Und meine Tochter, frisch auf der Welt.
Zart. Unschuld pur.
Sie hätte einen Vater gebraucht, der vor Liebe überläuft.
Nicht einen, der innerlich gefroren ist.
Der Satz, der mich gebrochen hat
Und dann kam dieser Abend.
Die Kinder waren im Bett.
Meine Frau saß mir gegenüber.
Und sie war müde. Nicht körperlich.
Sondern emotional erschöpft.
Sie sagte nicht viel.
Sie sah mich nur an –
mit einem Blick, den ich bis heute nicht vergessen kann.
Ein Blick, der sagte: „Ich liebe dich. Aber ich kann nicht mehr.“
Und dann kamen die Worte:
„Wenn du so weitermachst, bist du bald allein.“
Kein Geschrei. Kein Drama.
Nur Wahrheit.
Klar. Schmerzhaft.
Unumkehrbar.
Der Wendepunkt: Kein Held, aber ehrlich
Ich hätte alles verloren.
Und ich wäre schuld gewesen.
Nicht, weil ich es wollte –
sondern weil ich nicht aufgewacht bin.
Dieser Moment hat mir mehr wehgetan als jeder Bruch.
Mehr als jeder Absturz.
Weil ich plötzlich sah, was ich da tat:
Ich war dabei, meine Familie zu verlieren.
Nicht durch Schicksal.
Sondern durch mein Verhalten.
Ich bin nicht sofort aufgestanden.
Aber ich bin auch nicht liegengeblieben.
Ich hab angefangen, Verantwortung zu übernehmen.
Nicht aus Schuldgefühl.
Sondern weil ich wieder fühlen konnte, was ich wirklich will:
Diese Familie.
Diese Liebe.
Dieses Leben.
Heute – ich bin da. Wirklich da.
Ich bin heute nicht perfekt.
Ich bin nicht der Mann mit dem makellosen Lebenslauf.
Ich bin ein Typ mit Narben, mit Brüchen, mit einer Geschichte.
Aber ich bin da.
Echt. Wach. Mitten im Leben.
Ich bin verheiratet mit einer Frau, die mich nicht aufgegeben hat.
Ich bin Vater von drei Kindern –
zwei Jungs, 6 und 15.
Ein kleines Mädchen, das bald 2 wird.
Und heute sieht sie einen Vater, der nicht mehr flieht –
sondern bleibt.
Ich bin wieder da. Nicht, weil ich es muss.
Sondern weil ich es kann.
Was du mitnehmen kannst
Vielleicht bist du selbst gerade an dem Punkt.
Wo du spürst:
Du verlierst dich.
Oder schlimmer: du verlierst die, die du liebst.
Vielleicht flüchtest du auch – in Arbeit, Alkohol, Ablenkung.
Weil du glaubst, es ist einfacher, nichts zu fühlen.
Aber ich sag dir was:
Die Flucht kostet dich alles.
Nicht sofort.
Aber schleichend.
Und erst wenn du bereit bist, dir ins Gesicht zu schauen –
mit all deinen Fehlern, deiner Wut, deiner Scham –
kannst du zurück.
Nicht in dein altes Leben.
Sondern in ein echtes.
Ich hätte meine Familie fast verloren.
Und mit ihr mich selbst.
Heute baue ich Stück für Stück wieder auf.
Nicht perfekt.
Aber bewusst.
Wie es weitergeht
Im nächsten Kapitel schreibe ich über das Schreiben.
Wie es aus einem losen Gedanken mein Rettungsanker wurde.
Warum es mich nicht nur gerettet hat –
sondern zu dem gemacht hat,
der ich heute bin:
Gé Phönix.
Danke, dass du mitliest.
Du musst nicht perfekt sein.
Nur bereit, ehrlich zu sein.
🔥 Dein Tagebuch eines Phönix
– Gé